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An einen Freund mit einem Becher

Willst Du erlaben Dich an Wein,
An diesem Sorgenbrecher,
Willst eine Stunde Du allein
Der seligen Erinnrung weihn,
Dann fülle diesen Becher!

Es wird sich wie durch Zaubermacht
Die bleiche Wange röten,
Manch liebes Bild aus dunkler Nacht
In reicher wunderbarer Pracht
Dir vor die Seele treten.

So wird er Dir zum Talisman,
Zu lindern alle Schmerzen,
Zu lösen jeden schweren Bann.
Nimm ihn zu diesem Tage an
Mit Wünschen, treu vom Herzen!

Die Festtage des Lebens, 1856



An einen fernen Freund

Mein Freund, wie fern Du mir auch sei'st,
Doch werd' ich ungebunden
Dir nahe sein mit Herz und Geist
In diesen schönen Stunden;
Mit Dir in das, was Dich betrübt,
Mich trauernd zu versenken,
Und derer, die Du heiß geliebt,
In Liebe zu gedenken.
Der Lieb' und Freundschaft schönes Band
Kann Zeit und Raum nicht trennen;
Dich hab ich Bruder stets genannt,
Und will Dich stets so nennen.
Reich' mir die Hand, wie fern Du sei'st!
Fühl' meine Pulse schlagen!
Verbunden bleiben Herz und Geist
Bis zu den fernsten Tagen!

Die Festtage des Lebens, 1856



Dem fernen Freund

Mein teurer Freund! Mit heiterm Blick
Will ich die Stunde grüßen,
Die einst dem heitern Sonnenstrahl
Sich sah Dein Aug' erschließen.
Ich will sie segnen tausendfach,
Daß, ob manch' Jahr entschwinde,
Sie wiederkehrend in dem Kreis
Der Freude, stets Dich finde.
Und Du, gesegnet sei mit ihr!
Gesegnet mit den Lieben,
Die als Gefährten auf dem Pfad
Des Lebens Dir geblieben.

Erblühen möge neues Glück
Durch sie Dir jede Stunde,
Zur Wehmut werde jeder Schmerz,
Zur Narbe jede Wunde!
Und die der Ew'ge Dir geraubt,
Sie sind Dir nicht gestorben;
Stets bleibt ja unser Eigentum,
Was einmal wir erworben.
Und wandeln die Geliebten auch
Nicht mehr vor unserm Blicke,
Empor von hier zum Himmel baut
Die Sehnsucht ihre Brücke;
Und ob Dein Herz sich freudig hebt,
Und ob Dein Auge weine -
Mit den Geliebten bleibt Dein Herz
Im innigen Vereine!

Wenn so, die uns der Tod geraubt,
Wir stets die Unsern nennen,
Wie könnte doch das Leben da
Das Herz vom Herzen trennen?
Wie Zeit und Raum auch zwischen uns
Erbauen ihre Schranken,
Herüber und hinüber ziehn
Im Fluge die Gedanken!
Das Glück, das meine Brust bewegt,
Es macht Dein Herz auch schlagen,
Es findet seinen Wiederhall
Dein Schmerz in meinen Klagen!
Und so empfinden soll das Herz
Bis zu den letzten Schlägen.
Dazu, Du Ew'ger! segne uns
Mit Deinem reichsten Segen!

Die Festtage des Lebens, 1856



Geburtstagsgedicht

(Bei Überreichung eines mit Blumen geschmückten Fruchtkörbchens nach der Geburtstagsfeier)

Lache nicht! wenn Dich am rechten Tage
Meiner Liebe Gaben nicht erfreu'n.
Drängt mich's doch, daß ich es spät noch wage,
Dir des Herzens biedern Gruß zu weihn.

Tadle nicht! daß so geringe Gaben
Zur Erinn'rung Dir die Freundin gibt,
Auch die kleinste kann Bedeutung haben,
Wenn sie uns ein Herz voll Liebe weiht.

Zage nicht! weil solch' ein Liebeszeigen,
Das im Körbchen Dir die Freundin gibt,
Andre oft in einem Sinne reichen,
Der die Trennung mehr, als Freundschaft liebt.

nein! das Körbchen zeige Dir Dein Leben!
Lieb' und Hoffnung fehle nie darin,
Und von holden Früchten rings umgeben,
Mög' es Dir noch lange Jahre blühn!
Magst Du darum lachen, tadeln, zagen -
Scherz im Ernste wollt' ich ja nur wagen.

Die Festtage des Lebens, 1856
Einem Freunde

(am Geburtstage seiner verstorbenen Gattin)

Es tat dereinst an diesem Tag
Ein treues Herz den ersten Schlag,
Dein Leben zu beglücken.
Jetzt weilt sie längst im Lichtazur,
Und ihren Hügel kannst Du nur
Mit Blumen liebend schmücken.

Wenn es Dich zu der stillen Gruft
An diesem Tage drängt und ruft,
Mit leichtbeschwingtem Fuße,
Dann lege auf ihr stilles Haus
Als Liebesgabe diesen Straus
Mit einem warmen Gruße!

Die Festtage des Lebens, 1856



Ewig dir ergeben!

(An Freund oder Freundin)

Ein schönes Wort grub sich in's Herz mir ein,
Wie auch die Jahre flüchtig mir entschweben:
Im Herzen flammt es: Ewig Dir ergeben!
Gegrüßt mit ihm sollst Du auch heute sein!
Den Tag, der Dich gebar, sah ich hell und rein
Ich aus Aurorens Armen sich erheben. -
Reich sei an Glück Dein ganzes, langes Leben,
Ein Maitag sei's voll Duft und Sonnenschein!
Rollst Du den Vorhang der Vergangenheit
Gedankenvoll empor in dieser Stunde,
Erglänze Dir ein Bild auf lichtem Grunde
Bei dem Dein Herz verjüngt sich und erfreut,
Ein Bild, das Dir, von mildem Glanz umstrahlt,
Nur Stunden reich an Glück und Freude malt!

Die Festtage des Lebens, 1856



An einen Freund oder eine Freundin

In immer schnellerm Fluge enteilt das Rad der Zeit,
Bis zu entschwundnen Jahren ein neues Jahr sich reiht,
Bis an des Tages Marken wir wieder sinnend stehn,
An dem zuerst die Strahlen des Lichtes wir gesehn.
Zurück schau'n wir dann prüfend auf den durchmessnen Lauf,
Dann rollen wir den Schleier vergangner Tage auf,
Und Bilder, längst verblichen, und Werke, längst vollbracht,
Stehn vor dem Auge wieder in neuer Farbenpracht,
Vergang'ner Wonnen denket noch einmal still das Herz,
Es denkt mit leisem Beben auch wohl an manchen Schmerz!

Auch Du stehst an den Marken des neuen Jahres heut,
Dein Auge auch blickt sinnend auf die Vergangenheit.
O, möge süß und labend wie milder Sternenschein
Mit ihren reichen Bildern Dir die Erinnrung sein!
Sie zeige Deinem Blicke ein heitres Eden nur,
Und einen Himmel, strahlend im herrlichen Azur.
Und glänzt in Deinem Auge dann eine Träne auch:
Es rief sie ja die Freude empor mit mildem Hauch!

Die Deinen alle reihen sich liebend heut um Dich,
In jedem Auge spiegelt die reinste Freude sich;
Aus allen Herzen schwingen sich im vereinten Chor
Die heißen Segenswünsche zum Ewigen empor!
Und Er, der ja so gerne erhört ein brünstig Flehn,
Er blickt gewährend nieder aus seinen ew'gen Höhn,
Er sendet seinen Engel, daß der mit Mut und Kraft
Belebend Dich durchbringe zur fernern Pilgerschaft,
Daß alle Sorgen schwinden, die jetzt Dein Herz bedräun,
Daß Du mit heiterm Auge Dich kannst des Lebens freu'n!

Zu all' den reichen Bildern, die Dir Erinnrung beut,
Und zu den heißen Wünschen, die Liebe Dir geweiht,
Nimm auch zu diesem Tage dies Blatt aus meiner Hand -
Es künden seine Worte nur was mein Herz empfand!

Die Festtage des Lebens, 1856



Alle Wünsche für Dein Glück!

Fühlt vom heißen Freudendrange
Sich ein Menschenherz durchglüht,
Wir die Freude zum Gesange
Und der Jubel wird zum Lied,
Und im innigsten Ergusse
Wird das Herz so groß, so weit. -
So zum frohen Liedergruße
Treibt auch mich die Liebe heut!

Wenn im Leben hart und strenge
Dich bedrohte das Geschick,
In dem heitern Reich der Klänge
Fandest Du stets Trost und Glück;
Und zog in das Herz Dir wieder
Freude dann und Frieden ein:
Bei dem Klange süßer Lieder
Fühltest Du sie doppelt rein.

Drum in diesen schönen Stunden
Wo so heiß die Herzen glühn,
Alles, was wir tief empfunden,
Ströme aus in Melodie'n,
Alle Wünsche für Dein Leben,
Alle Wünsche für Dein Glück! -
Und Erfüllung wird gegeben
Jeglichem von dem Geschick!

Die Festtage des Lebens, 1856




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